Liebe COCA-COLA

Anstoßen, Anstoß nehmen, verstehste? Prost.

Seit zwei Wochen habe ich diesen Tab auf, es ist ein W&V-Artikelchen aus der Rubrik Kreation des Tages über einen deiner Coronakrisenspots. Dabei scheint das gesellschaftskitschige Video nichts Besonderes zu sein, der Text dazu ist es erst recht nicht. Was mir quersitzt, ist einzig seine Überschrift, die da lautet:

“Solidarität statt Arbeitskampf: Coca-Cola feiert den 1. Mai”

Also in meiner Welt ist ein Arbeitskampf Ausdruck von Solidarität. Ich gehe nicht so weit zu sagen, die beiden bedingten einander, aber mein erster Gedanke beim Lesen war: Selbst für dich, die “Muttermilch des Kapitalismus”, grenzt so eine diese Begriffe gegeneinander ausspielende Headline an Rufschädigung. (Eventuell habe ich aber nur ein Problem mit dem Wörtchen “statt”.)

Dann fiel mir aber wieder ein, wie beispielsweise Deine Abfüllunternehmen in Kolumbien noch vor 10 Jahren Todesschwadronen anheuerten, um unliebsame Gewerkschaftler zu ermorden. Insofern passt es dann ja doch wieder ganz gut, weil der Spot To The Human Race ja auch in Deiner Marketingtradition steht, knallhartes bis illegales Geschäftsgebaren mit schwammigen Hapiness-Botschaften zu überkleistern.

The Message: Auch Milliardäre sind Menschen – Hashtag #humanity. Solidarische Grüße also nicht nur an die Arbeiter, sondern auch an Aktienbesitzer. Unser Mitleid gilt in Krisenzeiten Kursverfall und Kurzarbeit gleichermaßen.

In diesem Sinne: Rotfront!
Hendrik

(Dieser Leserbrief ist Teil des Newsletters Return2Sender.)